Harlekin im Gewand des Art déco, 1920er-Jahre

Das nennt man wohl formidabel: Von der Kappe bis ins kleinste Detail zeigt dieser Harlekin, was er vom Rest der Welt hält: „Kommt mir bitte nicht zu nahe. Ich bin der Star der Show.“

550,00 

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Haltung, bitte

Schauen Sie sich mal diese Fingerdisposition an: Eine Hand macht das Exzellenz-Zeichen, die andere signalisiert: Bitte Abstand halten. Schließlich ist unser Harlekin gerade erst aus der Maske gekommen und hat gleich seinen großen Auftritt. Die Augenbrauen sind nach oben gezogen. Die geschlossenen Lippen formen sich zu einem süffisanten Lächeln: „Sorry, ich bin hier der Star. Mein weißes Outfit mit blauen Applikationen ist außergewöhnlich. Dazu ein grauer Umhang und diese virtuose Harlekin-Kappe. Unglaublich. Und haben Sie mein grünes Untergewand bemerkt, das die Paspelierung der Schuhe wiederholt?“ Keine Frage, hier sitzt jedes Detail.

Die Handschrift

Kreiert hat den galanten Harlekin mit der Modellnummer 4953 höchstwahrscheinlich Anton Büschelberger (1869-1934). Ausgeführt in der Manufaktur Carl Ens im thüringischen Rudolstadt-Volkstedt, wie die Firmenmarke in Unterglasurblau dokumentiert. Das Porzellan wurde dort farbig glasiert, staffiert und teilweise goldfarben konturiert. Ein typisches Erzeugnis der 1920er-Jahre, wenn auch wesentlich seltener zu finden als andere Figuren Büschelbergers, der hauptsächlich Tierdarstellungen kreierte.

Zwischen Jugendstil und Art déco

Der Skulpteur stammte aus einer Künstlerfamilie. Auch der Vater war schon als Bildhauer tätig. Nach dem Besuch der Schule in Teplitz studierte Anton Büschelberger Malerei in München. Später arbeitete er für die Firma Schumacher & Co. in Osterode am Harz, bevor er sich schließlich in Dresden niederließ und dort ein eigenes Atelier eröffnete. Manche seiner Skulpturen ließ der Künstler bei der Berliner Manufaktur Kraas in Bronze gießen. Über viele Jahre hinweg arbeitete Büschelberger nebenher als freier Mitarbeiter für die Porzellanmanufaktur von Friedrich Karl Ens in Rudolstadt-Volkstedt. Diese Zusammenarbeit endete jedoch im Jahr 1931 aufgrund der Weltwirtschaftskrise, die auch diese Manufaktur in Thüringen erreichte. 1929 war generell ein Wendepunkt. Fröhliche, bisweilen frivole Darstellungen im Stil der 1920er-Jahre wichen archaisch anmutenden Designs. Zeitlosigkeit und „ewiges Handwerk“ war das Thema. Ein Bruch, den die Nationalsozialisten nach 1933 aufnahmen und zu ihren Gunsten nutzten.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Unsere Figur entstand in der Zeit um 1920, wie die Modellnummer nahelegt. Typisch für diese Ära ist der gezackte Sockel im Stil des Art déco. Zickzackmuster finden sich auch bei zeitgleicher Architektur als Dekorationselement. Etwa in Leipzig. Gefertigt wurde das Harlekin-Modell bis in das darauffolgende Jahrzehnt und es zierte bürgerliche Vitrinen oder Buffets. In einer Zeit ohne TV hatten Objekte wie dieses eine magische Ausstrahlung. Schaut man sich den Harlekin nochmals unter diesem Aspekt an, hat er bis heute einen imposanten Auftritt, der im Gedächtnis bleibt.

Künstler/in Anton Büschelberger (attr.)
Ausführung

Karl Ens, Rudolstadt-Volkstedt

Objekt

Porzellanfigur „Harlekin“

Material

Porzellan, farbig staffiert. Aufglasurbemalung

Maße

Höhe 33,5 cm

Zustand

makellos

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