Ein Stück für die Ewigkeit
Der Früchtekorb wirkt wie aus der Zeit gefallen. Was für eine ausgewogene Formgebung. Wow. Man nimmt dieses Objekt gerne in die Hand, fährt über den oberen Ring, der die Lamellen zusammenhält. Wann ist er entstanden? Ein Entwurf der amerikanischen Shaker-Bewegung aus dem 18. Jahrhundert? Ihre schlichten Dessins sind für nachfolgende Generationen maßgebend, eigentlich inspirieren sie die Kreativszene bis heute.
Biedermeier? Nein. Der Korb ist ein Werk des 21. Jahrhunderts. Der italienische Architekt Aldo Cibic und Bijoy Jain haben es gestaltet. Jain ist Gründer des indischen Architekturbüros Studio Mumbai. Ihr Entwurf war Teil der Kollektion „Woodwork“, die das Label Paola C. 2012 zum Salone del Mobile präsentierte. Die Produktpalette der kleinen, aber umso feineren Mailänder Firma umfasste damals schon filigrane Glaswaren und zeitlose Silbergeschirrteile. Bei der delikaten Holz-Serie, zu der dieser Korb gehört, ging es darum, die handgefertigte Herkunft und gleichzeitige Begrenzung auf wenige Werkzeuge zu veranschaulichen. Was für eine richtungsweisende Idee: Back to the roots! Eine Hommage an das Handwerk.
Unser archaisch anmutendes Stück aus Teak besitzt eine gestalterische Qualität, die sofort besticht. Es funktioniert als skulpturales Objekt und genauso als praktisches Haushaltsgerät. „Das Leben eines Entwurfs hängt von den unterschiedlichen Sichtweisen und Interpretationen ab, die wir darauf haben. Ob im Originalzustand, umgestaltet oder personalisiert – jedes Objekt besitzt die angeborene Fähigkeit, eine Geschichte zu erzählen“, findet Bijoy Jain. Das Projekt für Paola C. war zeitlich begrenzt. Objekte wie dieses sind super rar, weil sie als Kleinserie konzipiert und entstanden sind. Wer eines davon findet, kann sich glücklich schätzen. Es sind Erbstücke …
„Stücke wie dieses aus der Kollektion Woodworks wurden in einer unglaublichen Werkstatt handgefertigt, die sich im Wald südlich von Mumbai befindet. Dort arbeiten etwa fünfzig indische Handwerker gemeinsam mit Studenten, Architekten und Designern aus aller Welt.“
Aldo Cibic
Über Aldo Cibic
Die Zusammenarbeit zwischen Paola C. und Aldo Cibic begann im Jahr 2000 und startete mit einer Linie handgefertigter Keramikobjekte sowie einer Linie mundgeblasener Glasobjekte. Neben seiner Tätigkeit als Art Director leitet Cibic aber auch ein Design- und Forschungsstudio namens CibicWorkshop. Er wurde 1955 in Schio (Vicenza) geboren und zog 1977 nach Mailand, um mit Ettore Sottsass zusammenzuarbeiten; 1980 wurde er dessen Partner. 1981 folgte die Memphis-Kollektion, zu deren Designern und Gründern Cibic gehörte. 1989 beschloss Cibic, ein eigenes Studio zu gründen, und schuf Cibic&Partners.
Bis heute beschäftigte er sich hauptsächlich mit Architektur- und groß angelegten Innenarchitekturprojekten, lehrte aber auch an der Domus Academy, als Professor im Studiengang Industriedesign an der Fakultät für Architektur des Politecnico di Milano sowie im Studiengang Industriedesign der Fakultät für Architektur der IUAV (Universitätsinstitut für Architektur in Venedig). Der CibicWorkshop hat seinen Sitz in Vicenza und arbeitet interdisziplinär mit einem Team junger Designer zusammen.
Über Bijoy Jain
Mit der „Woodwork“-Kollektion hat Bijoy Jain erstmals mit einem Hersteller von Designobjekten zusammengearbeitet und nicht nur seine eigenen kreativen Fähigkeiten in das Projekt eingebracht, sondern auch die Produktionskapazitäten seines Teams von Handwerkern in Indien. Die architektonische Arbeit von Studio Mumbai stützt sich stark auf den Einsatz lokaler Handwerker und Materialien, wobei die meisten Gebäude des Büros fast vollständig in Handarbeit gefertigt werden. Die durchscheinenden Wände des Palmyra-Hauses (unten) bestehen beispielsweise aus getrockneten Palmyra-Palmen. Jain wurde 1965 in Mumbai geboren und erwarb 1990 seinen Master of Architecture an der Washington University in St. Louis, USA. Zwischen 1989 und 1995 arbeitete er in Los Angeles und London und kehrte 1995 nach Indien zurück, um sein eigenes Büro zu gründen. Jain wurde 2016 von Alejandro Aravena zur Architekturbiennale Venedig und 2018 als Gastkritiker von Raphael Zuber an die ETH Zürich eingeladen.







