Scherenschnitt „Ohne Titel“. Aber mit Message. 2025

Aber, aber. Wer wird denn den Kopf in den Sand stecken? Manchmal ist es besser, einen Blick in die Hose zu riskieren. Was möchte uns Josephine Kaiser mit ihrem Werk mitteilen?

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Willkommen in der Welt von Josephine

Der Scherenschnitt zählt zu den ältesten Volkskünsten und entstand zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert in Nordchina. Im deutschsprachigen Raum taucht er im 17. Jahrhundert erstmals auf und boomte in der Goethezeit. Heute ist er ein selten verwendetes Medium.

Josephine Kaiser kam auf die Scherenschnitt-Thematik, als eine Galeristin sie bat, ob sie nicht etwas Günstigeres neben ihren Skulpturen anbieten könne. Was reizt die Münchner Künstlerin an dem Sujet? „Dass ich etwas so Klassisches wie Scherenschnitt beziehungsweise Scherenschnittpapier, welches ja als bieder wahrgenommen wird, neu interpretieren kann, ohne dabei die Technik neu zu erfinden.“ Mit lieblichen und romantisierenden Darstellungen aus der Biedermeier- und Jugendstilzeit haben ihre Motive nichts zu tun.

Zwischen Kritik und Politik

Mit dem Skalpell und keineswegs mit einer Schere entsteht Provokatives. Was macht die Frau, deren Kopf sich in der Hose eines Mannes vergraben hat? Haben ihre Werke eine gesellschaftliche, ja sogar eine politische Message? Kaisers Antwort lautet: „Ja.“ Auf welche Weise sich Arbeiten wie diese jedoch deuten lassen, liege im Blick der Betrachterin oder des Betrachters:

„Das Spiel mit Erotik ist ein ewiges Spiel – meine Spieler sind nie komplett nackt. Denn wirklich sexy finde ich, wenn die grauen Zellen auch mitspielen dürfen und die bloßen Triebe so ausgehebelt werden.“

Josephine Kaiser

Um welches Motiv von Kaiser es sich auch handelt, ihre Werke zaubern uns zunächst ein Schmunzeln ins Gesicht. „Ich bin überhaupt nicht komisch“, lacht Kaiser. „Gerne spiele ich mit Darstellungen, die sich in unser kollektives Bildgedächtnis gebrannt haben. Oder ich möchte, dass sich gewisse Bilder einbrennen.“ Die Ressourcen für ihre Kunst sind so vielfältig wie die Motive: „Alltag, Zwischenmenschliches, Internet, Pornohefte aus der letzten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Mein Bildarchiv wird täglich gefüttert.“

Künstler/in Josephine Kaiser
Titel

Ohne Titel, 2025

Technik

Scherenschnitt

Maße

40 x 40 cm

Signatur

Unten rechts monogrammiert „JK“

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