Im Fluss der Farben
Eine Liste ihrer Ausstellungen in Museen und Galerien sowie eine Übersicht über den Museumsbestand würde den Rahmen definitiv sprengen. Also beschränken wir uns auf das Wesentliche: die Wahrnehmung und Wirkung gegenstandsfreier Malerei. Dazu verwendet Claudia Desgranges ganz unterschiedliche Maluntergründe, die ihre Virtuosität zur Geltung bringen. Anfangs arbeitete die in Frankfurt am Main geborene Künstlerin, die Köln und München als Lebensmittelpunkte wählte, mit selbst angemischten Eitempera-Farben auf großformatigen Leinwänden. Seit der Jahrtausendwende verwendet Desgranges Alu-Platten als Bildträger, da diese Farbe rein und unverfälscht wiedergeben. Dabei verwendet sie bis 35 Zentimeter breite Pinsel und Rakel, mit denen sie das Kolorit aufträgt.
Dieses Kleinformat entstand auf Papier und entfacht doch die gewaltige Wirkung ihrer Malerei. Farbe wird hier erlebbar und transportiert uns in eine andere Dimension.
„Ich arbeite, wenn nötig, auch beidhändig, mit unterschiedlich breiten Pinseln, die Farbe wird in kurzen oder langen Pinselzügen aufgetragen, dadurch wird das Bild im freien Rhythmus dynamisiert. Dabei kann man häufig nachvollziehen, wo der Pinsel ansetzt oder wo sich verschiedene Pinselzüge kreuzen.“
Claudia Desgranges
Desgranges lässt sich vom abstrakten Expressionismus und von Farbfeldmalerei inspirieren, referiert aber auch Vorbilder des Informel und des amerikanischen Minimalismus.
Sie studierte von 1978 bis 1984 Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf, Abteilung Münster. Von 1983 bis 1993 unterrichtete sie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Malerei. 1988 erhielt sie Förderung von der Stiftung Kunstfonds. 2014 erhielt Claudia Desgranges ein Stipendium der Pollock-Krasner Foundation. Desgranges ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund und im Westdeutschen Künstlerbund. 2022 erhielt Claudia Desgranges finanzielle Förderung von der Pollock-Krasner Foundation – um nur einige Stationen ihrer Karriere aufzulisten.
Zeit spielt in ihrem Werk eine fundamentale Rolle. Sie wird sichtbar in der Rhythmik des Farbauftrages und den Verwischungen der dünnflüssigen Farben, die ineinanderfließen: „Es geht um das Flüchtige in Desgranges’ Bildern. Nicht darum, es einzufangen, sondern die Flüchtigkeit und das Zerrinnen von Zeit an sich darzustellen“, schreibt Marion Gay in einem Essay über die Malerin. Wie wunderbar.




