Zwei Fußschalen WMF, vor 1927

Folgen Sie dem Zickzackkurs. Mit diesen Schalen geht es trotzdem rund. Zwei gelungene Beispiele für deutsches Art déco.

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Made in Germany

Der Begriff Art déco stammt aus Frankreich und bezieht sich auch in Deutschland auf die Epoche zwischen den beiden Weltkriegen. Den Namen lieferte eine Show der Superlative: 1925 fand in Paris die „Exposition Internationale des Art Décoratifs et Industrielles Modernes“, wo sich alle namhaften Manufakturen und die Kreativszene des Orbits trafen. Deutschland war auf dieser Veranstaltung nicht vertreten. Als Ersatz gab es 1927 eine Beteiligung an der Ausstellung „Europäisches Kunstgewerbe“ in Monza.

Während sich Deutschland von den Folgen des Ersten Weltkrieges erholte, feierten die Franzosen das Thema Luxus in all seinen Facetten. So gab es Möbelunikate in Paris, deren Preise dem eines kleinen Einfamilienhauses in der Weimarer Republik entsprachen. Schon Ludwig XIV. hatte mit seinem Hofstaat französische und europäische Werkstätten beflügelt. Die Vorliebe für kostbare Dinge zieht sich wie ein roter Faden durch die französische Geschichte und lässt sich bis heute verfolgen. Beispielsweise bei Silberobjekten von Puiforcat, die zumindest so viel wie eine S-Klasse kosten können.

Deutsche Zwanziger sind anders. Schräger. Innovativer und sehr viel günstiger. Ein Beispiel dafür sind diese beiden Schalen aus hellblau eingefärbtem Glas. Ihr Schliffdekor aus gezackten Linien findet sich auch auf zeitgleichen Trinkgläsern, Porzellantellern oder als Stuck-Ornament in der Architektur wieder. Für entsprechende Tafelservices lieferten Textilentwürfe der Zwanzigerjahre die Inspiration. Während die höhere Schale unbezeichnet ist, überrascht die kleinere Kumme mit Metallfuß: Am oberen Rand findet man den Markenstempel der WMF, die Abkürzung steht für Württembergische Metallwaren-Fabrik, sowie den gestempelten Zusatz „1/X“, der den Grammgehalt der Versilberung deklariert. Laut Markentafel des Unternehmens wurde der Firmenstempel in Rechteckform bis 1927 verwendet.

Die WMF machte sich damals mit ihren Ikora-Gläsern einen Namen, die in der Kunstabteilung der Fabrik entwickelt werden. Kristallglas mit künstlerischem Anspruch findet sich eher selten. Es belegt, dass die Firma auch in diesem Bereich Statements setzen wollte. Die beiden Schalen tun das bis heute.

 

Objekt

2 Schalen

Ausführung WMF, Württembergische Metallwaren-Fabrik
Material

Glas, Silber

Maße

Schale Glas Höhe 15,5 cm, Durchmesser 18 cm
Schale Glas mit Metallmontierung Höhe 13,5 cm, Durchmesser 17 cm

Marken

Metallmontierung mit WMF-Stempel vor 1927

Zustand

2+ auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6
wenige Kratzer und punktförmige Makel auf der Wandung

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