Mut tut gut
Waren hier Drogen im Spiel? Ein wildes Dekor überzieht diese Teekanne, das von einem Hippie-Outfit stammen könnte: Exotische Blumen und Blätter tanzen im Kreis. Musik! Velvet Underground. Janis Joplin. Sommer. Sonne. Gras. Die Sixties. Diese Deutung wäre möglich. Doch die US-amerikanische Künstlerin Yellena James, von der das Arrangement auf dem Designklassiker stammt, lässt sich eher von einem Blick durchs Mikroskop inspirieren. Wie dort, fügen sich viele kleine Details zu einem faszinierend schönen Chaos zusammen. James hatte die Idee, dass „wir uns freuen, während wir die Kanne in den Händen drehen, der Bewegung der Elemente folgen, die zusammenfließen und entlang der Konturen tanzen.” Schließlich gab es 2012, im Herstellungsjahr der Kanne, etwas zu feiern: das 50. Jubiläum einer Institution.
1962 hatten Gordon und Carol Segal einen Design Shop in Chicago eröffnet. Weil dem Paar das Geld für Vitrinen fehlte, präsentierten sie die Produkte direkt auf den Versandkisten oder auf Fässern. So entstand der Name Crate And Barrel. Von Anfang an war das Service 1382 im Programm, ein Entwurf von Bauhaus-Absolvent Hermann Gretsch. Zum Geburtstag ihres Shops beauftragte das Unternehmerpaar 12 Designer aus verschiedenen Ländern, ein Outfit für die Teekanne zu gestalten. Yellena James aus Oregon war eine der Kreativen. Die Kanne kam in einer Auflage von 200 Exemplaren und zehn Entwurfszeichnungen. Bei dem Objekt hier handelt es sich um den ersten Andruck. Also etwas ganz Besonderes.
Die Zeichnungen von James wurden dazu auf Folien transkribiert und von Hand auf der Wandung und dem Deckel aufgebracht. Nach 24 Stunden Trocknungszeit folgte ein Brand bei 1.180 bis 1.230 Grad Celsius, bei dem die Farbpigmente in die Porzellanmasse einsinken konnten. Damit ist die Teekanne alltagstauglich und selbst die Geschirrspülmaschine kann ihrem Dekor nichts anhaben. Gretsch hätte allen Grund zur Freude:
„Gestalten heißt erziehen, denn jede schöpferische Arbeit ist ein Stück Lebensweisheit.“
Hermann Gretsch







