Unikat

Porzellanschale, Dekor: Sigrid von Unruh, KPM, 2. Hälfte 1960er-Jahre

Eleganz und Raffinesse auf Porzellan haben eine talentierte Urheberin. Sigrid von Unruh. Lernen Sie eine tolle Frau kennen.

950,00 

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Wellenspiel

Die Schale nimmt Tempo auf. Alles scheint im Fluss. Wellenformationen. Zwischen dem Ringeldekor in Blau öffnen sich geometrische Flächen. Darüber schillert Gold. Eine Korrespondenz zum Fuß der Schale. Ein Streifen helles Blau erhellt dort die Szenerie. Wer das Objekt dreht, ist überrascht. Kein KPM-Stempel, obwohl es sich ganz klar um das Modell Lotus handelt, einen Entwurf von Trude Petri aus dem Jahr 1957. Die Schale entstand zur Internationalen Bauausstellung in Berlin. Anstelle eines Zepters in Unterglasurblau lesen wir drei Buchstaben: I.v.U. Das Monogramm steht für Ingrid von Unruh, eine der besten Gestalterinnen der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, kurz KPM.

Die KPM hat viele Designer, Porzellanmalerinnen und Künstler und Gestalterinnen gesehen, aber niemand ist wie sie: Sigrid Hilda von Unruh. Sie kommt aus einem guten Berliner Zuhause. 1935/36 besucht die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Charlottenburg, wird aber direkt nach einem Semester als Volontärin zur KPM geholt. Ein Freund der Familie, Günther von Pechmann, soll den Wechsel gefördert haben. Die angehende Porzellanmalerin hat Freude an Naturstudien und legt 1940 ihre Gesellenprüfung ab. Da ist der Zweite Weltkrieg längst in vollem Gang, von dem auch die Porzellanmanufaktur nicht verschont bleibt. 1943 werden die Gebäude so weit zerstört, dass die Produktion nach Selb ausgelagert wird. Von Unruh ist zu diesem Zeitpunkt in der kriegsrelevanten Abteilung für technische Porzellane tätig, die deutschlandweit Labore beliefert.

Schon gegen Ende des Krieges kann von Unruh ihre Arbeit als Porzellanmalerin wieder aufnehmen. In der Zeit im fränkischen Selb entstehen enge Freundschaften innerhalb des Gestalter-Teams, wie mit Luise-Charlotte Koch. Beide Frauen prägen den Nachkriegsstil der Manufaktur entscheidend. Als Inspiration dienen nun auch Reisen. Von Unruh unternimmt 1953 eine erste Tour durch Frankreich, Italien und die Schweiz. Nun entstehen auch heiter-elegante italienische Landschaften auf Porzellan, bei denen vermehrt Unterglasurkobaltblau (das auch diese Schale ziert) zum Einsatz kommt. Besonders die Schuppendekore und figürliche Malereien auf blauem Fond sind wirklich traumhaft. Man kann sie immer wieder anschauen, ohne ihrer überdrüssig zu werden.

Die meisten Dekore zieren Modelle von Trude Petri und Sigmund Schütz, deren Klarheit die Künstlerin schätzt. Von Unruh liebt ihre Arbeit sehr. Als ihr damaliger Ehemann von ihr verlangt, ihren Beruf aufzugeben, reicht sie 1964 die Scheidung ein. Und das zu einer Zeit, in der es grundlegende Veränderungen bei der KPM gibt, etwa eine Neubesetzung der künstlerischen Leitung. Trotz gestalterischer Freiheiten können sich von Unruh und Koch mit Veränderungen wie der Einführung billigerer Druckdekore nicht anfreunden. Es kommt zum Bruch mit der Geschäftsleitung. 1973 verlassen die Freundinnen fast gleichzeitig die Manufaktur. Von Unruh zieht sich ins Privatleben zurück, bleibt aber weiter künstlerisch tätig. Das Ende einer großen Porzellan-Ära.

Mehr zu den Künstlerbiografien in der grundlegenden, dreiteiligen Monografie von Tim D. Gronert, „Porzellan der KPM Berlin“, erschienen im Deutschen Kunstverlag, Berlin.

Objekt

Schale

Designer/in

Ausführung KPM, Königliche Porzellanmanufaktur Berlin
Material

Porzellan

Maße

Höhe 14 cm, Durchmesser 21,5 cm

Signatur

unter dem Stand „SvU“ für Sigrid von Unruh in Unterglasurblau

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