Im April, nur wenige Tage nach Eröffnung meines Stores in Stuttgart, hat Max Diel mich besucht. Die Werke des Berliner Künstlers faszinieren mich schon lange. Im Jahr 2000 entdeckte ich seine Arbeiten in einer Bonner Galerie. Die Formate waren oft riesig, dazu kräftige Farben und immer ungewöhnlichen Bildausschnitte. Eigenwillig und einzigartig. Bis heute. Für mich ist es ein Grund, Diel in Stuttgart zu präsentieren. Eine weiterer sind seine kleinen Formate wie „Picture Me II“ (rechts, 30 x 40 cm) aus dem Jahr 2021. Sie wirken fast noch konzentrierter, benötigen zu Hause nicht so viel Platz wie Großformate und sind verhältnismäßig erschwinglich. Das macht sie auch für Einsteiger interessant.
Das ewige Rätsel der Malerei
In den 1990er-Jahren studierte Diel an der Amsterdamer Gerrit Rietveld Akademie sowie an der Hochschule der Künste Berlin. 1999 war er dort Meisterschüler. Seine künstlerische Laufbahn stand besonders unter dem Einfluss von Rudi Fuchs, dem damaligen Direktor des Stedelijk Museums in Amsterdam. Der Kunsthistoriker war bekannt für seine Wechselausstellungen, die im Turnus von sechs Wochen Künstler von Weltruhm genauso wie unbekanntere Positionen vorstellten. In dieser Zeit geht Diel als Maler unterschiedliche Wege, entscheidet sich jedoch zur Jahrtausendwende für figurative Malerei. Er selbst fühlt sich der Kunstauffassung des späten Mittelalters und der Frührenaissance verbunden. Diese Sehnsucht nach einem Idealzustand zieht sich durch sein komplettes Œuvre: „Melancholie in der Kunst und in der Musik beschäftigen mich sehr“, erklärt der Wahlberliner.
Oft lässt sich Diel beim Arbeiten von einem realen Motiv inspirieren, das er als Foto, Skizze oder in akribischen Zeichnungen eingefangen hat. Der künstlerische Prozess, die Entstehung eines Werks kommt ihm zufolge dann von innen. Diel zitiert als Vorbild den Roman „À la recherche du temps perdu“ (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) von Marcel Proust. Mit modifizierten Formen und Farben im Bild erschafft der Künstler eine neue Wirklichkeit, die mit der eigentlichen Realität nichts zu tun haben muss.
„Ich gehe davon aus, dass die interessanten Inhalte in der Kunst die unbewussten sind – sie stehlen sich durchs Hintertürchen herein.“
Max Diel


Trotz Gegenständlichkeit gibt es bei Diel immer abstrakte Tendenzen. In seinem Werk „Picture Me II“ beispielsweise sind es die konzentrischen Kreise, die sich um die Linse der Kamera bilden. Ohne Fotografin könnte es sich um eine geometrische Komposition handeln, wie in den unterschiedlichen Farbflächen, die hinter der Figur zusammentreffen. Für den Maler ist „das Erkennen“ der Schlüssel. „Die Menschen werden heute nervös, wenn sie etwas nicht sofort erfassen können.“ Doch genau in diesem Moment, liegt der Reiz seiner Arbeiten. Sie möchten in Ruhe betrachtet werden. Wieder und wieder, ohne dass man sich daran sattsieht.
Das Künstlergespräch auf Instagram
Weil Max Diel der Post nicht traut, brachte er seine Werke lieber persönlich vorbei. Ich war zuvor eingeladen, eine persönliche Bildauswahl zu treffen. Wir haben den Besuch des Berliner Malers genutzt, ein ausführliches Gespräch über seine Kunst, seine Inspirationsquellen und seinen Werdegang zu führen. Es wurde aufgezeichnet und als Video im Instagram-Profil von SD Schöne Dinge veröffentlicht. 20 Minuten, die sich lohnen.
