Max Diel, „Am Kanal (japanisch)“, Öl auf Leinwand, 2021

Japan erleben kann man auch in Berlin. Wie sich das anfühlt, zeigt ein Werk von Max Diel. Manga trifft auf Kalligrafie und Figuration.

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Ein kurzes Gespräch über Inspiration

Max Diel betitelte dieses Werk mit „Am Kanal“. Ein Hinweis auf den Berliner Landwehrkanal, an dem der Maler gerne verweilt oder Fahrrad fährt. Es zeigt einen Brückenkopf mit Geländer, dahinter Schilf und eine vorbeifliegende Krähe, die sich im Wasser spiegelt. Eine Stimmung wie im Traum. In Klammern erhielt die Szene den Zusatz „japanisch“.

„Was ich damit meine, ist die Farbstimmung. Der Brückenkopf schimmert rosa. Ungewöhnlich. Das erinnert mich an Mangas, obwohl die natürlich wesentlich kräftigere Farben haben. Und dann die Pinselstriche, die fast wie eine Kalligrafie wirken.“ Ist Japan eine Inspirationsquelle oder gar ein Vorbild? – möchten wir erfahren. „Eher eine Parallelwelt“, antwortet der Künstler. „Es ist nicht so, dass ich mir das anschaue und sage: Das will ich jetzt auch machen. Die Japaner haben die Impressionisten beeinflusst. Es war der Übergang zur Moderne, den Maler wie Monet und Manet geprägt haben. Mir persönlich gefällt Bonard besonders gut. Bei van Gogh gab es eine richtige Japanmode. Der hat manche Motive gleich mehrfach wiederholt. Ich bin an einem umgekehrten Punkt – von der Abstraktion zur Figuration.“ Eine Entwicklung, die in den 1960er Jahren ihren Anfang nahm. Dazu kommen wir noch.

Zurück zu van Gogh und Japan. Manchmal hat es den Anschein, dass die damalige Avantgarde von der japanischen Kunst jede Menge geklaut hat. In der darstellenden wie in der angewandten Kunst, etwa bei Glasuren für Porzellanobjekte und Glasdekorationen sowie deren Veredelungstechniken. „In künstlerischer Hinsicht mag ich das Wort ‚klauen‘ nicht. Wenn ich eine Perspektive zeichne, bedeutet das nicht, dass ich sie von Leonardo übernommen habe. Er selbst hat sie auch weiterentwickelt.“

„Wenn ich eine Perspektive zeichne, bedeutet das nicht, dass ich sie von Leonardo übernommen habe. Er selbst hat sie auch weiterentwickelt.“

Für Diel gibt es am Ende gut oder schlecht. „Besser gut geklaut als schlecht erfunden“, zitiert der Berliner Picasso und wird ernster: „Künstler haben schon immer auf andere Künstler reagiert. Albrecht Dürer fuhr nach Italien und brachte die Renaissance nach Nordeuropa – so wird immer wieder argumentiert. Gerhard Richter, Sigmar Polke und dessen Galerist reagierten auf die amerikanische Pop-Art und eröffneten in einer Art Manifest den ‚Kapitalistischen Realismus‘. Man kann eigentlich keine haarscharfe Trennungslinie zwischen ‚geklaut‘, ‚inspiriert‘ und ‚weitergeführt‘ im Sinne einer bestimmten Denklinie ziehen. Das eine führt zum anderen: Jeff Koons ist in meinen Augen eine Mischung aus Andy Warhol und Marcel Duchamp, wobei sich Warhol ja auch auf Duchamp bezieht. Das bedeutet, hier wird eine Linie weitergeführt. Hat Koons also nur ‚geklaut‘?… Ich weiß es nicht…! Die Zeit wird zeigen, was wirklich substanzielle künstlerische Arbeit ist und wo einfach Formeln nachgeliefert werden. Für Zeitgenossen ist das häufig nicht richtig einzuschätzen.“

Künstler/in Max Diel
Titel

„Am Kanal (japanisch)“

Jahr

2021

Technik

Öl auf Leinwand

Maße

30 x 40 cm (B x H)

Rahmung

Holzleiste mit Schattenfuge

Signatur

Rückseitig bezeichnet, datiert und signiert „Max Diel“

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