Chin-Chin – wir sind hin (und weg)
Die Arbeiten der schwedischen Keramikerin Åsa Lindström sind eine Klasse für sich. Ihre Lieblingsform? Der Becher: groß, klein, rund oder oval. Manche von ihnen sind kunterbunt, andere brillieren in Schwarz-Weiß-Optik. Allen gemeinsam sind originelle Umdrucke auf der Wandung: mal pittoreske Pflanzen à la Karl Blossfeldt oder – wie bei unseren Schnapsbechern hier – Menschen im Look der 1920er- und 1930er-Jahre, die das Auge erfreuen.
Die Technik
Für Effekte wie diese verwendet Lindström ein besonderes Verfahren, den sogenannten „Decal-Druck“. Er ermöglicht es, extrem detailreiche Grafiken, Scherenschnitte und historische Fotografien dauerhaft in die Glasur einzubrennen. Lindströms Arbeit beginnt mit dem Erstellen eines Dekorbogens: Die fotografischen oder grafischen Schwarz-Weiß-Motive werden zunächst mit speziellen keramischen Farbpigmenten (oft auf Metalloxidbasis wie Eisenoxid oder Kobalt) im Siebdruckverfahren auf ein spezielles Trägerpapier gedruckt. Dieses Papier ist mit einer wasserlöslichen Dextrin- oder Gelatineschicht überzogen.
Das bedruckte Transferpapier wird kurz in warmes Wasser gelegt. Dadurch löst sich die Trägerschicht, und das elastische Bilddekor kann wie ein Abziehbild („Water-Slide-Decal“) präzise auf die bereits glatt gebrannte oder lederharte Keramik geschoben werden. Anschließend werden überschüssiges Wasser und Luftblasen mit einem Gummirakel oder Schwamm sorgfältig von innen nach außen herausgestrichen. Das ist entscheidend, da eingeschlossene Luftblasen beim späteren Brennen platzen und das Motiv zerstören würden. Nach dem vollständigen Trocknen kommen die Stücke für einen dritten Brand (den Dekor- oder Scharfbrand) bei meist etwas niedrigeren Temperaturen erneut in den Ofen. Dabei verschwindet die organische Trägerschicht rückstandslos, während die keramischen Farbpigmente der Fotografie tief mit der darunterliegenden Glasur verschmelzen.
Nach diesem Fototransfer veredelt die Künstlerin viele ihrer Keramiken zusätzlich von Hand: Die Innenseiten oder Details auf den Außenseiten werden oft mit Platin- oder Goldglanzglasuren bemalt, was den Objekten ihren typischen Kontrast zwischen rauer Fotoästhetik und edlem Metallglanz verleiht.
„Mein Schaffensprozess ist stark gefühls- und lustbetont.“
Åsa Lindström
Eine Ausnahmekünstlerin
Lindström studierte von 1984 bis 1990 an der renommierten Kunsthochschule Konstfack in Stockholm und startete ihre Karriere in den Ateliers der Manufaktur Rörstrand, deren Erscheinungsbild sie ein Jahrzehnt bereicherte. Ab 2000 arbeitet sie als freiberufliche Studiokeramikerin mit eigenen Werkstätten in Gustavsberg bei Stockholm und auf der Insel Gotland. Dort betreibt sie gemeinsam mit ihrem Mann Santo das populäre Restaurant Hablingbo Crêperie.
Die Keramikerin genießt in Schweden hohes Ansehen. Ihre Arbeiten sind im Nationalmuseum in Stockholm zu finden, doch genauso Installationen von ihr im öffentlichen Raum: unter anderem im Karolinska-Universitätskrankenhaus sowie in der Stockholmer U-Bahn-Station Ängbyplan.









