Bilder richtig hängen und rahmen

Sensationell: eine „Petersburger Hängung“ im Königlichen Kunstmuseum KMSKA in Antwerpen.

Bilder wirkungsvoll zu inszenieren ist kein „Kunststück“, sondern ein Mix aus der richtigen Technik, der optimalen Höhe und einer harmonischen Anordnung. Dabei gibt es einen entscheidenden Anhaltspunkt für die Höhe, auch „Museumsregel“ genannt. Sie besagt, dass die Bildmitte etwa 150 cm über dem Boden liegen sollte, da das der durchschnittlichen Augenhöhe entspricht.

Das Museum als Vorbild

Ein Blick in das Königliche Museum der Schönen Künste in Antwerpen zeigt, dass die Expertenteams vor Ort auf den Abstand geachtet haben. Die unteren Gemälde sind nach der Museumsregel ausgerichtet, die Bildmitte befindet sich in Augenhöhe. In dem abgebildeten Saal handelt es sich um eine sogenannte Petersburger Hängung, bei der die Bilder in mehreren Reihen platziert werden. Auch zu Hause lässt sich diese Art von Arrangement mit kleineren Formaten umsetzen. Geeignet, um bestimmte Themen zu gruppieren, Techniken oder harmonierende Farben. Ein Beispiel ist die Schwarz-Weiß-Wand (Foto) in meinem Laden, ein Work in Progress. Lassen Sie sich beim Hängen Zeit und testen Sie ruhig verschiedene Kombinationen, bevor Sie sich entscheiden.

Das Antwerpener Museum ist bekannt für seine virtuose Präsentation von Kunst. Sehr besonders ist hier der Wechsel zwischen einer lockeren Hängung und der Konzentration mehrerer Werke in der Ecke. In einem weiteren Raum gibt es nur ein einzelnes Bild auf einer großen Wand und dieses hängt absichtlich schräg – ausgesprochen humorvoll. In den eigenen vier Wänden wäre das eher komisch. Wer denkt da nicht an den legendären TV-Sketch „Das Bild hängt schief“ von Loriot (1976), der in einer totalen Zimmerverwüstung endet?

Augenhöhe ist relativ

Daheim gilt, dass die Augenhöhe in Bereichen, in denen man steht und Sitzzonen, wie Essplatz oder Sofa, eine andere ist und beim Hängen berücksichtigt werden sollte. Werden Bilder über Möbeln platziert, gilt die „goldene“ Abstandsregel von 20 bis 30 Zentimetern. Um Harmonie zu erzeugen, sollte ein großes Einzelbild maximal zwei Drittel des darunter stehenden Möbels einnehmen.

Vier Bild-Arrangements

Auf welche Hängung die Entscheidung fällt, beeinflussen der Raum und die Bilder an sich. Bei einer Reihenhängung sind die Werke auf einer horizontalen oder vertikalen Linie angeordnet. Für eine Kantenhängung gelten die Ober- oder Unterseiten der Rahmen als Orientierung. Abgesehen von der schon erwähnten Petersburger Hängung gibt es noch die Möglichkeit, Bilder innerhalb einer gedachten, geometrischen Form zu arrangieren, „inside-the-lines“ genannt.

Zu meiner Zeit als Redakteur bei einer Lifestyle-Zeitschrift mit großem Kunstteil war auffällig, dass in einigen Häusern Großformate einfach gegen eine freie Wand gelehnt waren oder kleinere Arbeiten auch lässig in einem Regal oder auf einem Bord standen. Diese Art und Weise bietet die Möglichkeit, Bilder schnell nach Lust und Laune auszutauschen. Mir persönlich gefällt das sehr gut. Was mir nicht gefällt, sind Galerieleisten unter dem Deckenrand, von denen die Bilder mit Stahlseilen oder transparenten Nylonschnüren abgehängt werden – für mich eine optische Herausforderung. Nagellöcher in Wänden lassen sich leicht mit „Moltofill“ verschließen.

Petersburger Hängung bei SD Schöne Dinge. Hier ein Black & White-Thema mit Kunst aus Israel, Südkorea und Deutschland.
Maßgeschneiderte Outfits: links eine Arbeit mit Passepartout. Rechts: Die Tempera-Malerei auf Holz erhielt einen tiefen Rahmen, um Abstand zwischen Werk und Untergrund zu lassen. Darunter: Art-déco-Rahmen mit aktueller Kunst. Die Leiste wurde dem Bildformat angepasst.

Der richtige Rahmen

Es empfiehlt sich, den Rahmen zum Bild passend auszuwählen und nicht zur Umgebung. Ich habe in Wohnungen schon häufiger Bilder gesehen, deren Rahmenfarbe mit benachbarten Möbeln korrespondiert, weil dies angeblich „schöner“ wirke. Der Kunst tut man damit meistens keinen Gefallen. Ähnlich schwierig: lauter identische Rahmen für ganz verschiedene Werke. Das kann bei Grafiken schon mal funktionieren, für Gemälde finde ich es absolut unpassend.

Manche Gemälde adelt ein reich vergoldeter Stuckrahmen, anderen schadet er. Es ist daher genauso legitim, alte Bilder aus ihrem „Korsett“ zu befreien und ohne Rahmen aufzuhängen. Bei mittleren und großen Formaten entsteht dadurch oft ein ganz neuer Raumeindruck. Bilder wirken leichter, das Interieur luftiger.

Ob Grafiken immer ein Passepartout benötigen, ist eine Frage des Geschmacks. Manche Blätter wirken authentischer, wenn man auf entsprechende Umrandungen verzichtet. Hingegen ist Museumsglas für die Rahmungen grafischer Werke grundsätzlich sinnvoll. Es schützt die Originale vor Licht und reduziert Reflexionen auf ein Prozent – ein Garant für ungetrübten Kunstgenuss.

Wie beim Einrichten an sich gilt: Wer nichts wagt, kann auch nichts gewinnen. In diesem Fall gewinnen die Bilder und ihre Arrangements an Wirkung. Bis heute lasse ich Neuerwerbungen von einem Fachatelier rahmen. Meine Ansprechpartnerin wurde längst zu einer lieben Freundin. Den richtigen Rahmenladen zu finden, ist am Ende wirklich Vertrauenssache. Sich mit Profis auszutauschen und beraten zu lassen, macht Freude und letztlich mutiger, auch etwas Neues auszuprobieren.

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