Lötz Vase, Klostermühle Böhmen, um 1936

Tradition trifft Moderne: Diese Vase von Joh. Lötz Witwe verbindet Stilelemente des Art déco mit der typischen Irisierung der weltberühmten böhmischen Glasmanufaktur.

900,00 €

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Spätwerk

Jugendstil in Deutschland. Art Nouveau in Frankreich. Sezessionsstil in Österreich. Modern Style in den USA. Stile Floreale in Italien. All das sind Synonyme für die Kunst um 1900, in der unsere heutige Moderne ihren Ursprung hat. Ein wichtiges Medium in der angewandten Kunst dieser Ära sind dekorative Gläser. Jedes Land hatte seine Spezialisten und herausragenden Künstler: Frankreich Emile Gallé und Daum, die USA Louis Comfort Tiffany und der deutschsprachige Raum die renommierte Glashütte Joh. Lötz Witwe aus Klostermühle im Böhmerwald.

Raffinierte Technik

Aus der Manufaktur Lötz stammt diese Vase in Kobaltblau mit aufgearbeiteten Bögen in Silberblau. Sie entstand erst in der Zeit um 1936, obwohl sie technisch noch ganz in der Tradition der Luxus-Jugendstilgläser um 1900 steht: 1898 hatte die Manufaktur ein Patent auf ihr sogenanntes „Phänomen“-Glas angemeldet. Durch das Bedampfen des heißen Glases mit Metallsalzen entstanden schillernde, metallisch-irisierende Oberflächen – Grabfunden aus der Antike nachempfunden. Auf der Pariser Weltausstellung von 1900 erlebte die Firma Lötz ihren Höhepunkt. Die dort präsentierten Phänomen-Vasen gewannen den begehrten „Grand Prix“ und machten Lötz-Glas zu einem Statussymbol.

Ab 1900 arbeitete die Manufaktur eng mit der Wiener Kunstszene zusammen. Berühmte Architekten und Designer wie Josef Hoffmann und Koloman Moser entwarfen exklusive Formen für Lötz, was den Objekten eine zeitlose, avantgardistische Eleganz verlieh. Ein weiterer „Grand Prix“ folgte 1904 in St. Louis.

Nach dieser Glanzzeit brachten der Erste Weltkrieg, der Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie und schwere Brände die Manufaktur in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das offizielle Ende der Ära Lötz war 1939. Nach jahrelangen finanziellen Sanierungen infolge der Weltwirtschaftskrise und eines verheerenden Brandes im Jahr 1930 musste die Firma nach Einmarsch der deutschen Truppen in die Tschechoslowakei 1939 endgültig Konkurs anmelden.

Die Herstellung im Detail

Unsere Vase von 1936 vereint die besten Attribute vorangegangener Jahrzehnte. Als Grundlage dient ein farbintensives blaues Glas. Es wurde traditionell im Schmelzofen aus einer mit Kobaltoxid versetzten Glasmasse hergestellt. Um die Form der Vase (mit einer Höhe von 10,5 cm) zu erzielen, wurde die noch glühende Schmelze von einem Glasbläser mithilfe einer Glasmacherpfeife frei Hand geformt oder in eine Holz- bzw. Metallform modelgeblasen.

Während der Vasenkörper noch glühend heiß und formbar war, wurden gezielt Glasfäden und Glasbänder aus einer silberblauen Spezialglaslegierung (häufig unter Verwendung von Silbernitrat oder Metalloxiden) auf die Oberfläche aufgetragen. Dabei entstand durch Drehen und den Einsatz von Werkzeugen (etwa durch Kämmen oder Verziehen mit einem Haken) das bogenförmige Muster. Anschließend wurde das Glas noch einmal leicht erhitzt, um die aufgebrachten Fäden fest mit der kobaltblauen Wandung zu verschmelzen, sodass eine reliefartige, aber dauerhafte Verbindung entstand.

Das charakteristische Markenzeichen von Lötz-Gläsern ist die Irisierung, die sich auch auf diesem Stück aus den 1930er-Jahren findet: In einer speziellen Kammer wurde die fertige, noch heiße Vase einer Mischung aus Metalldämpfen wie Zinnchlorid oder Bariumchlorid ausgesetzt. Die Dämpfe lagerten sich als hauchdünne, molekulare Schicht auf der Glasoberfläche ab. Das Licht bricht sich an dieser hauchdünnen Schicht und lässt die typischen, perlmutt- oder regenbogenartig schimmernden Metalleffekte (Lüster) entstehen. Je nach Lichteinfall treten dabei die silberblauen Bögen oder der kobaltblaue Hintergrund dramatisch in den Vordergrund.

Rar und klar

Obwohl Lötz weltberühmt für seine hochkomplexen Jugendstil-Phänomendekore und Formen war, zeigt diese Vase aus der Spätphase (kurz vor der endgültigen Schließung der Hütte im Zweiten Weltkrieg) eine deutliche Anpassung an den Geschmack des späten Art déco beziehungsweise der Funktionalismus-Ära. Die Dekore wurden geometrischer (Bögen) und die Farbkontraste klarer strukturiert – aber Lötz hat sie mit seinem meisterhaften technologischen Wissen über die Irisierung und Glasmanipulation kombiniert.

Ausführung Joh. Lötz Witwe
Material

Glas

Maße

Höhe 15,5 cm, Durchmesser 10,5 cm

Zustand

einwandfrei

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